Der Sollenauer Wald und seine Besitzer, „Die alten Familien“

erstmalig erschienen in Nachrichten der Markgemeinde Sollenau, Ausgabe No. 3/2022 Mag. Jürgen Scheibenreif und Christian Gruber sen.

Noch in der Chronik des Jahres 1958 war von alten Sollenauer Waldgrundstücken zu lesen. Herr Karl Koisser überlieferte die Geschichte, wobei schon 1958 offensichtlich nicht mehr detailliert werden konnte, wo diese lagen und wer diese einst innehatte.

Sollenau hatte einst einen Wald auf seinem Gemeindegebiet liegend, welcher offensichtlich aber nicht gemeint sein konnte, denn dieser befand sich im Besitz der Herrschaft Schönau. Es war der Obere Rabenwald, auf dem Sollenauer Berg gegenüber dem Heilsamen Brunnen, während der heute als Rabenwald bekannte Wald auf Schönauer Gemeindegebiet einst als Unterer Rabenwald bezeichnet worden und ebenso der Herrschaft Schönau zugehörig war.

Der Sollenauer (Obere) Rabenwald trägt bis heute die Bezeichnung; nur ist sie wenig gebräuchlich, wenn auch namensgebend für die jüngere Bezeichnung „Waldweingärten“ für die nun hier angesiedelten Weingärten. Herr Karl Koisser schreibt in der Chronik 1958, daß der Obere Rabenwald 1867 „aufgegeben“ werden mußte. Im Kataster 1820 stand der Wald (Grst. 724) noch in voller Blüte und der gesamte Wald war in nur einer großen Parzelle von 38 Joch (22 Hektar) eingeteilt.

Die Legende des Franziszeischen Kataster lässt Rückschlüsse auf die Beschaffenheit des Waldes im Jahre 1820 zu. So war dieser laut verwendeter Symbolik ein Laubwald, sowie hochstämmig schlagbar (H. S.). Weitere Rückschlüsse lassen möglicherweise ein Kaufvertrag des Leobersdorfer Pfarrers vom 18.05.1371, sowie Aufzeichnungen des Leobersdorfer Pfarrers aus dem Jahre 1600 zu, wobei jeweils eine Weinbauflur am Sollenauer Berg mit der Bezeichnung „Bey der Aichen“ genannt ist. Somit kann daraus geschlossen werden, daß der Rabenwald ein Laubwald, bestückt mit Eichen war, auf welchem 1820 wahre Baumriesen (= hochstämmig schlagbar) standen.

Was diesem Wald zum Schicksal wurde, darüber lässt sich heute nur spekulieren. Herr Vbgm. a. D. Kerschbaumer schreibt in seiner 850-Jahr-Chronik, daß 1867 ein Orkan über Sollenau hinwegfegte. Die Pfarrchronik schreibt von entwurzelten Pecherbäumen in ihrem Walde in Hölles, Grst. 493 („Im Hienernest“, gen. Auf der Pangratzeben) durch Sturm im Jahre 1867. Jedenfalls wurde der Wald im Jahre 1877 an die Bauern ausgeteilt.

Überdies ist noch um 1750 ein riesiger Wald südlich der Günselsdorfer Hausacker überliefert, welcher den Namen „Aichwaldl“ trug und offensichtlich um 1780 aufgegeben und als Weidegründe für die Gemeinde Günselsdorf zur Verfügung gestellt wurde. Vom Aichwaldl ist zu lesen, „fängt sich an am Gesuch (=südlich der Hausäcker) und endet sich an Krautgartenfeldt“ (=Strasse Blumau-Günselsdorf), „ein oedes Gemeinwaldl und kann nun als Hutwaid benutzet werden“. Dieser Wald war sogar noch grösser und wurde mit 78 Joch angegeben.

Wenn diese drei Wälder nicht der Wald der Sollenauer Bauern waren, wo lag dieser dann? Ein Hinweis rund 60 Jahre später durch den engagierten Sollenauer Fritz Auer, der von Matzendorfer und Hölleser Bekanntschaften öfters den Namen „Sollenauer“ für Waldgrundstücke in der Nähe des Steinabrückler Haltergrabens vernahm, war vielversprechend. Demzufolge musste der Gang in das NÖ Landesarchiv erfolgen, wobei der „Sollenauer Wald“ wieder zum Vorschein kam. Begeben wir uns auf eine weitere Zeitreise, die uns in diesem Fall in das Jahr 1687 bringt:

Das NÖ Landesarchiv birgt das Grundbuch der Herrschaft Enzesfeld 1701, in welchem sich ungefähr mittig lose eingereiht ein Hinweis in Form einer Liste fand: „Der Salenauer Bürger und Hft. Schönau Waldungen in Langthal, wie sie von innen herauß nacheinander liegen“. Diese Liste enthält 33 Waldgrundstücke, welche auch im Grundbuch sequentiell enthalten sind, zugleich mit Seitenhinweisen auf das noch ältere Grundbuch aus dem Jahre 1687.

Damit kann geklärt werden, daß 30 dieser Grundstücke den Sollenauer Bauern bzw. Bürgern gehörten und 3 – mittig gelegen – der Herrschaft Schönau (H. S.). Es handelt sich lt. den Grundbüchern 1687, 1701 und 1760 um die Matzendorfer Waldgrundstücke 1050-1083, genauer gesagt um die nördlichen, taleinwärts rechts gelegenen Waldgrundstücke nördlich des „Bründls“. Obwohl der Talausgang dieses Langthals in Steinabrückl liegt, wurde das Langthal bei der Loslösung Steinabrückls von Matzendorf im Jahre 1866 bei Matzendorf belassen. Der Eingang erfolgt über den Haltergraben beim heutigen Tennisplatz in Steinabrückl, der nördlich und südlich von mittelalterlichen Weingarten flankiert wurde. Südlich des Eingangs befindet sich die Weingartenflur „In der Schön“ mit dem markanten südlichsten Grundstück, genannt „Die Wiegen“. Nördlich befand sich die Weingartenflur Obere Zärch und Untere Zärch. Beide Weingartenfluren unterstanden der Grundherrschaft Burg Enzesfeld. Möglicherweise bezog sich auch ein im Kirchenbuch am 03.06.1815 noch genannter Holzwächter auf diesen Wald.

Abbildung 1: Der Sollenauer Wald im Langthal bei Steinabrückl (KG Matzendorf), flankiert von mittelalterlichen Weingartenfluren und dem Wöllersdorfer Weingartengebirge benachbart.

Vom Wald zwischen Wöllersdorf und Lindabrunn hat sich keine durchgehende Überbezeichnung erhalten, doch war ursprünglich laut Urbar der Herrschaft Hernstein 1535 der gesamte Wald zwischen Lindabrunn und Alkersdorf „Hart“ genannt; auch der Wald der Pfarrherrschaft Sollenau in Hölles hieß lt. einer gesichteten Urkunde aus dem Jahre 1529 im Stift Melk „Hartt-Holz“.

Eigentlich sollten die Sollenauer Waldungen jeweils 2 Joch stark sein, waren teilweise aber wesentlich größer. Insgesamt war der Sollenauer Wald 97 Joch groß (rd. 55 Hektar). Die Grundstücke standen zwar im Eigentum der Sollenauer, doch musste der jährliche Grunddienst ebenso an die Grundherrschaft Enzesfeld entrichtet werden. Rechtlich gesehen waren die Waldungen Haus-Überlandgrundstücke, welche mit dem Besitz des Hauses verbunden waren.

Untersucht man die 30 Eigentümer aus Sollenau so fällt auf, daß alle 7 Ganzlehner jeweils 1 Waldgrundstück besassen. 1 Ganzlehner (Hauptplatz 12 und 13) besaß seit einem 1714 mit dem Haus Wr. Neustädter Str. 2 erfolgten Tausch über 2 Grundstücke. Von den 18 Halblehnern besassen mit Ausnahme von 2 Halblehnern (Bahngasse 3, sowie Hauptplatz 3) ebenso alle ein Waldgrundstück. Von den Viertellehnern wiesen nur 6 einen Waldbesitz auf. Die 7 Ganzlehner befanden sich in den Häusern:

Sollenau Nr. 2 (Hauptplatz 2), 23 Joch: Grst. 1071 (3,8 Joch)
Sollenau Nr. 10 (Pachergasse 4), 32 Joch: Grst. 1066 (2,8 Joch)
Sollenau Nr. 13 und 12 (Hauptplatz 17 und 18), geteilt 1821, 16 Joch: Grst. 1060 (2,7 Joch) Sollenau Nr. 79 u. 17 (Hauptplatz 12 und 13), geteilt 1839/42, 30 1/2 Joch: Grst. 1058 u. 1076 (4 Joch)
Sollenau Nr. 28 (Hauptplatz 9), 25 1⁄4 Joch: Grst. 1070 (2,9 Joch)
Sollenau Nr. 37 u. 38 (Bahngasse 17 und 19), geteilt 1816, 20 1⁄2 Joch: Grst. 1072 u. 1073 (4 Joch) Sollenau Nr. 47 u. 48 (Hauptplatz 7 und Hauptplatz 6), geteilt 1829/30, 16 Joch: Grst. 1055 (2,9 Joch)

Abbildung 2: Das Ganzlehen-Bauernhaus Sollenau Nr. 10 (Pachergasse 4), mit 26 Joch Acker und 12 Tagwerk Wiesen; somit ingesamt 32 Joch das grösste Bauernhaus weit und breit, zusätzlich 3 schwache Joch im Sollenauer Wald. Nur die 1763 errichteten Theresienfelder Höfe waren mit 32 Joch fast genauso umfangreich bestiftet. 1700-1774: Fam. Lang, 1774-1803: Fam. Wanzenböck, 1803-1807: Fam. Lang, 1807-1848: Fam. Oswald, 1848-1866: Fam. Gamp, 1886-1941: Fam. Nebl mit Inwohner- Familie Amon, seit 1941 im Besitz der heutigen Eigentümerfamilie.

Microsoft Word – Sollenauer Hausgeschichten Teil 7 2. Auflage

Gemeinsam mit den Kirchenbüchern geben diese Grundbücher gleichzeitig Aufschluß auf die ältesten noch blühenden Familien Sollenaus: Das Grundbuch des Jahres 1687 gibt Aufschluß, daß es sich mit dieser Nennung bei der Familie Oswald um die älteste noch erhaltene Familie Sollenaus mit Urhaus Hauptplatz 16 (Sollenau Nr. 14) handelt. Von Hans und Dorothea Oswald, den beiden Urahnen, stammen sämtliche heutige Nachfahren ab. Ihnen gehörte Grst. 1059 (2,4 Joch) im Sollenauer Wald.

Mit Nennung aus dem Jahre 1708 ist die Familie Frisch die zweitälteste noch blühende Familie Sollenaus. Hans und Lucia Frisch sind ab 1708 bezeugt; Mathias mit Abstammung aus Schwaben und seine Ehefrau Maria ab 1718.

Die anderen Sollenauer Familien sind heute nicht mehr aufrecht: Allibauer, Neubauer, Stubenvoll, Pfeiffer, Lochner, Prucker/Brucker, Auer, Neukircher, Pittermann, Kittinger, Niederfriniger, Lang, Wanzenböck, Reichenbacher, Romeder/Rameder, Zazl, ua. sind nur mehr in der DNA der nachfolgenden Familien enthalten, welche mittels Heirat von Witwen oder Töchtern neu hinzukamen. Einige der hinzugekommenen Familien sind zwischenzeitlich auch schon wieder erloschen wie die aus der Steiermark stammenden Radler und Spitzer. Zu den heute noch blühenden, hinzugekommenen Familien gehören unter anderem zeitlich geordnet die Koisser, Gamp, Schuster, Schweidl, Kaindl, Lauermann, Gruber, Nebl, Zöchling, Amon und Pöltl.

Die älteste zugezogene Familie ist die Familie Koisser. Der Schuster Michael Koisser wurde am 10.01.1682 in Zöbern bei Krumbach als Kind von Paul und Magdalena Kochesser geboren. Die bis in das 20. Jahrhundert übliche Gepflogenheit beim Wort „Koch“ das „ch“ zu verflüchtigen (bspw. Ko-löffel), führte dazu, daß er bei der Hochzeit mit Catharina Thurner aus Lindabrunn am 05.02.1708 als Michael Koisser von Krumbach bezeichnet worden ist. Das 1. Kind (Leopold I) kam noch am 02.12.1709 in Lindabrunn zur Welt. Ab 19.10.1711 ist die Familie mit der Geburt des 2. Kindes in Sollenau nachweisbar. Das Urhaus der Familie ist das Haus Bahngasse 14 und 16 bzw. Kirchengasse 5, besser bekannt als „Alte Presse“. Von diesem Urhaus stammen sämtliche Nachfahren der Familie Koisser ab.

Abbildung 3: Das kleinste Bauernhaus Sollenaus, mit insgesamt nur 1 Joch Acker (Grst. 252) als Hausgrund; „Die Alte Presse“, ab 1869 geteilt in Bahngasse 14 und 16, Urhaus der Fam. Koisser (bis 1755), 1755-1760: Joseph Dögen mit Ehefrau Maria Anna geb. Koisser, 1760-1764: Fam. Ungerhofer, 1764-1778: Fam. Proßinger, 1778-1787: Fam. Straub, 1787-1797: Fam. Proßinger, 1797-1832: Fam. Bittermann/Pittermann, 1832-1834: Schullehrer Prem mit Gattin Thekla, 1834-1870: Fam. Grünbeck, ab 1870: Rahofer, infolge Verehelichung mit der Witwe

Catharina Koisser verstarb am 01.02.1753, kurz darauf folgte Michael am 07.09.1757. Sie begründeten jedoch eine regelrechte Dynastie, welche heute auf mehrere Gemeinden verteilt ist. Sohn Andre ging nach Gainfarn und begründete dort die Linie Koisser zu Gainfarn. Sohn Leopold II übernahm das Halblehen Bahngasse 9 und ab 1807 das Ganzlehen Bahngasse 17 und 19. Von ihm und seiner Gemahlin Maria, geb. Klosterer aus Günselsdorf stammen alle heutigen Nachfahren von Sollenau ab. Sohn Jakob wurde zuerst Inwohner und übernahm 1759 dann das Viertellehen Bahngasse 12. Diese Linie ist in Sollenau erloschen, begründete zuvor aber die Koisser-Linien zu Ober-Waltersdorf, Schönau und Lichtenwörth. Sohn Mathias übernahm ab 1755 das Ganzlehen Sollenau Hauptplatz 12 und 13, wobei auch diese Linie im Mannesstamm erloschen ist. Sohn Franz war ebenso zuerst Inwohner, danach Viertellehner. Dessen Sohn Laurent, geb. 11.07.1752, seit 1789 verehelicht in 2. Ehe mit Elisabeth Wieser aus Schönau ist mit seinen Söhnen und unbekanntem Verbleib 1795 verzogen.

Mit Nennung vom 04.02.1720 folgte die Familie Gamp, wobei an diesem Datum Gregor Gamp, geb. am 01.03.1695 in Grillenberg, Elisabetha, die Witwe des Marktrichters Mathias Freyndorfer ehelichte. In der Zeit 1734-1740 ist er als Mauteinnehmer bezeugt. Er ist zudem als Besitzer des Ganzlehens Sollenau Nr. 17 bezeugt (entspricht heute Hauptplatz 12 und 13).

Abbildung 4: Das 1839/42 geteilte Ganzlehen-Bauernhaus Sollenau Nr. 79 (Hauptplatz 12, Kaufhaus Anton Löscher) und Sollenau Nr. 17 (Hauptplatz 13), mit 27 1⁄2 Joch Acker und 6 Tagwerk Wiesen, somit 30 1⁄2 Joch das zweitgrösste Bauernhaus weit und breit, zusätzlich 2 bzw. seit 1714 4 Joch im Sollenauer Wald. Bis 1791: Fam. Gamp, 1791-1813: Fam. Oswald, ab 1813: Fam Wanzenböck, Westteil Hauptplatz 12 ab Teilung 1839/42-1873: Fam. Seiser, 1874-1881: Fam. Fürstl, 1881-1888: Anton Kaminscheg, 1888-1917: Kaufhaus Anton Löscher, 1917-1926: Kaufhaus Stickler, ab 1926: Fam. Koisser

Am 31.01.1764 heiratet Laurent (Lorenz) Schuster aus Muthmannsdorf in Wöllersdorf, im Beisein des Sollenauer Marktrichters Johann Georg Schmucker seine Theresia. Am 29.10.1765 kam das 1. Kind in Sollenau zur Welt. Das Urhaus ist Bahngasse 1, später auch das Kleinhaus Kirchengasse 6.

Am 20.11.1764 heiratete in Brunn am Steinfelde Christian Schweidl, geb. am 08.11.1730 in Mödling die Witwe Cäcilia, geb. Romeder aus Sollenau. Die ersten beiden Kinder Mathias (14.10.1765) und Johann (18.06.1768) kamen noch in Brunn zur Welt. Mit der Geburt des 3. Kindes sind sie dann in Sollenau bezeugt. Das Urhaus ist Wiener Neustädter Str. 8.

Am 09.02.1783 heiratet der aus Wöllersdorf kommende Joseph Kaindl (geb. 21.03.1755) Magdalena, die Tochter des Halblehners Michael Strobl aus Sollenau. Damit wurde das Haus Sollenau Nr. 20 an der Maut zum Urhaus der Kaindl, ehe 1842 der Sohn abging und das Urhaus der Familie Oswald (Hauptplatz 16) übernahm und die Tochter 1843 Mathias Pöltl aus Leobersdorf ehelichte. Das Kaindl-Urhaus ist Wr. Neustädter Str. 16, mit dem Waldgrundstück 1061 (5 1⁄2 Joch groß!).

Am 29.01.1788 heiratete Joseph Lauermann, geb. 05.10.1766 in St. Veit/Triesting, der mit seinen Eltern Anton und Eva Maria nach Theresienfeld ging, wo die Familie gemeinsam mit den Tiroler Familien die Kolonisation der Heide vornahm, Juliana Frisch aus Sollenau und begründete die Verwandtschaft der Theresienfelder und Sollenauer Lauermann-Familien. Der 1. Sohn (Johann Georg Jakob) kam am 23.07.1788 noch in Theresienfeld zur Welt, ehe die Familie nach Sollenau zog und hier das ehemalige Frisch-Grundstück Bahngasse 3 (Lauermann, vormals Frisch) bezog. Viel später kam auch noch das vom schwäbischen Wagnermeister Armbruster erbaute Kleinhaus in der Leobersdorfer Str. 2 hiezu.

Am 21.08.1791 heirate Michael Gruber aus dem Raum Hainfeld, geb. 02.08.1753 in „Oed beym Michlbach“ in Pottendorf Elisabeth Zipflmayer und erheiratete somit das bäuerliche Grundstück Bahngasse 5, welches das Urhaus der Familie Gruber darstellte. Sein Bruder Joseph heiratete ebenso in Pottendorf am 03.05.1795 in eine Sollenauer Familie und übernahm Bahngasse 23 und 23A. Die heutigen Nachfahren stammen aber durchwegs aus der Ehe von Michael und Elisabeth.

Am 02.04.1796 heiratete Andre Nebl (Nöpl), geb. am 13.11.1774 in Matzendorf Nr. 32 (Hölles Str. 3) Cäcilia Haider. Die Familie heiratete erst 1759 in Matzendorf ein und stammte aus Ödlitz. Bahngasse 8 wurde zum Urhaus der Familie Nebl.

In der Bahngasse 4 residierte die Familie Artner: Franz, geb. 01.04.1780 in St. Veit an der Triesting heiratete am 16.08.1803 Susanna Oswald, die Witwe nach Mathias Schwarz.

Aus den 3 Sollenauer Burgfrieds-Häusern in Hölles (Hölles Nr. 2, 3 und 4, Hauptstr. 7, 9, 11) kam Johann Zöchling, geb. 21.11.1796 in Hölles Nr. 3 (Hauptstr. 9), welcher am 17.10.1820 Maria Anna Zottl und damit das Zöchling-Urhaus Pachergasse 2 erheiratete.

Die aus Haßfurt in Franken stammende Familie Amon fasste 1839 Bezug in Sollenau. Conrad Amon, geb. 10.01.1814 in Schwadorf (Vater Georg war Tonpfeifenmacher in Felixdorf) heiratete am 03.02.1839 in Sollenau seine Magdalena.

Mathias Pöltl, geb. am 08.02.1818 in Leobersdorf heiratete am 20.02.1843 Anna Maria Kaindl und übernahm das Kaindl-Urhaus (Wr. Neustädter Str. 16), welches somit zum Pöltl-Urhaus wurde.

Die beiden letztgenannten Familien waren es, die auch im 2. Weltkrieg die grössten Opfer zu bringen hatten. Die Familie Amon in der Pachergasse 4 hatte den unglaublich schmerzlichen Verlust dreier Söhne Johann, Josef und Friedrich zu beklagen. Die Familie Pöltl hatte sogar den unfassbaren Verlust vierer Söhne zu beklagen: Leopold, Otto und Ferdinand; Sohn Karl blieb vermisst. Als am 03.04.1945 die sowjetische Armee in Sollenau einmarschierte wurde zudem der Vater der 4 Söhne (Leopold) gegenüber seinem Wohnhaus Kindergartengasse 9 am Feld östlich der Alleegasse getötet.

Der Sollenauer Wald begann aber schon im Jahre 1778 zu bröckeln. Aus unbekannten Gründen begann der Verkauf dieser Haus-Überlandgrundstücke, welche mit dem Haus verbunden waren, offensichtlich mittels höherer Erlaubnis. Den Anfang machte die Familie Gamp von Sollenau Nr. 17 (heute Hauptplatz 12 und 13) mit ihren beiden Waldgrundstücken. Im Jahre 1778 wurde Grst. 1058 und 1783 Grst. 1076 verkauft. Im Jahre 1820 waren bereits 7 1⁄2 Grundstücke an Auswärtige veräussert, ebenso die 3 Grundstücke der Herrschaft Schönau (Grst. 1068, 1069). Somit war der Sollenauer Wald bis vor kurzem nicht nur vergessen, sondern heute hat auch nur eine einzige Sollenauer Familie Besitz im einstigen „Sollenauer Wald“.