Sollenauer Hausgeschichte

Das untergegangene Dorf Alrams

das untergegangene Dorf Warth, (ab 1909: Sauerbrunn, ung: Savanyúkút, ab 1987: Bad Sauerbrunn) sowie die Entschlüsselung der mittelalterlichen Zillingdorfer Hotterbeschreibung. Mag. Jürgen Scheibenreif, 2019

1 Allgemeines

Wir schreiben das 12. Jahrhundert im Hochmittelalter. Es tut sich was in Österreich. Die Babenberger als Markgrafen von Österreich (ab 1156 Herzöge von Österreich, ab 1192 zugl. Herzöge von Steiermark und Grafen von Pitten) sind beschäftigt, die Besiedelung der österreichischen Grenzgebiete zwischen Piesting, (Kalter) Fischa und Leitha mit bayerischen und fränkischen Siedler abzuschließen und den Grenzraum zu Ungarn zu sichern. Die Ansiedelung und der Ausbau der Ostgrenze bewirken zunehmenden Kontakt, Handel und Verkehr mit dem östlichen Nachbarn. Die Ödgrenze fällt weg.

Dadurch tut sich auch im benachbarten Ungarn was: Ab dem 12. Jahrhundert kommt es zu einem Ausbau der 3 westlichen Grenzkomitate zu Österreich und der Steiermark (Wieselburg, ung. Moson; Ödenburg, ung. Sopron und Eisenburg, ung. Vas). Der ungarische König holt zunehmend deutsche Adelige zur Besiedelung der vermutlich nur dünn durch Grenzwächter (Schützen, Warte) und Petschenegen besiedelten Grenzkomitate. Diese wiederum holten deutsche Siedler in die 3 Komitate und die durchgängige deutsche Besiedelung der westlichen Teile der 3 Komitate nimmt ihren Lauf. Bereits Mitte des 13. Jahrhunderts war die Entwicklung weitgehend abgeschlossen und die in Österreich angesiedelten deutschen Bauern waren bereits im regen Verkehr und Güteraustausch mit dem in West-Ungarn angesiedelten deutschen Bauern. Die Keimzelle des heutigen Burgenlands, wenn auch über Jahrhunderte ohne jeglicher Namensgebung, war entstanden.

Die frühen führenden Adeligen aus Deutschland wurden ua. die bayerischen Poth (Komitat Wieselburg), die schwäbischen Gutkeled (Komitat Ödenburg), sowie im Komitat Eisenburg die Güssinger bzw. Günser (Hedervary), die Frankenauer und die Wasserburger (Jak). Im Komitat Ödenburg kam zudem das aus Spanien stammende Geschlecht der Mattersdorfer an die Macht, die nach dem Wegfall der Burg in Mattersdorf auch nach der neuerbauten Burg in Forchtenau Mattersdorf-Forchtensteiner genannt wurden. Im Komitat Ödenburg war zudem das adelige Petschenegen-Geschlecht des Hauses Osl (Kanizsay) begütert und mächtig.

Während die Dörfer links der Leitha bis einschl. Unter-Eggendorf (Steiermark, Grafschaft Pitten) dem Erzbischof von Salzburg bzw. ab einschl. Ebenfurth (Österreich) dem Bischof von Passau unterstanden, unterstanden jene auf ungarischem Gebiet rechts der Leitha dem Bischof von Raab (Györ). Dennoch erhielten österreichische Stifte umfangreiche ungarische Königsschenkungen auf ungarischem Gebiet, insbesondere die Zisterzienser von Heiligenkreuz.

Entlang der Leitha scheint es regelrecht zu einer Spiegelung von Dorfanlagen gekommen zu sein. Gegenüber Lichtenwörth wurde vermutlich das untergegangene Alrams errichtet, gegenüber Unter-Eggendorf Zillingdorf, gegenüber Ebenfurth (Ersterwähnung 1160)1 das untergegangene Seybersdorf2 (untergegangen und um 1647/1648 neuerrichtet als Neufeld), usw. usf. Bei all diesen Grenzübergängen gab es Furten über die Leitha mit jeweils einem Weg nach Sollenau zur Piesting-Furt und vermutlich als vormalige awarisch/ungarische Heeresstraße über Leobersdorf weiter in das Triesting-Tal nach Westen.


1 Im Bereich Ebenfurth lag zudem noch eine Wüstung, welche in einer singulären Nennung vom 27.08.1290 Villa Ungerdorf genannt wurde. Aus der erhaltenen Urkunde ist nicht klar ersichtlich, wo genau sich die Wüstung befand und ob sie rechts und links der Leitha lag. Die Urkunde betrifft die Sicherung der Maut von Ebenfurth und Ungerdorf, für welche die Herren von Pottendorf und das Stift Heiligenkreuz gemeinsam Sorge vor Übergriffen aus Ungarn zu tragen hatten (Original Stift Heiligenkreuz).

2 Vgl. auch Erwähnung des Dorfes Seybersdorf im Zillingdorfer Banntaiding: „Item, von erst heben sich an die marich und hotter des dorfs Zilingdorf: am ersten von der Frawnhoferinn püchl herab unz an die prugk zu Zilingdorf, von Zilingdorffer prugk hinab unz auf Seyberstarffer werd, nach dem marichstain hinaus unzt auf Stinkhenprunner hotter, von Stinkhenprunner hotter nach dem grabm umbhin unzt an den lebar, dabei ligt auch ain hotter, und von dem hotter unz auf die Hofstetegker, daselbs ligt auch ain hotter, …“


Gegenüber Deutsch Brodersdorf lag an der Leitha-Furt Ungarisch Prodersdorf (Leithaprodersdorf) und über diese Furt verlief die bedeutende Römerstraße Wien-Ödenburg.

Beim Übergang der anderen alten Römerstraße von Ödenburg über die Leitha zum Gebirgsrandweg bei Steinabrückl nach Wien (Salzweg) kam es im Bereich des heutigen Sauerbrunn/Neudörfl zur Gründung der ungarischen Siedlung Warth (ung. Röjtök-Ör). In dieser ungarischen Siedlung wurde auch die ungarische Maut eingerichtet, die in mittelalterlichen Dokumenten genannt wird.

Sollenau profitierte sicherlich als Maut und Markt von dem regen West-Ost-Handel. In mittelalterlichen Dokumenten ist von großen Vieh- und Ochsenerden die Rede, die aus Ungarn nach Österreich getrieben wurden. Auch die Einfuhr von ungarischen Wein ist mehrfach genannt, auch wenn dieser Weinimport aufgrund der eigenen Marktstärke oftmals ungeliebt, sanktioniert bzw. sogar untersagt wurde.

Verfolgen wir doch nachfolgend angeführt einen der mittelalterlichen Wege von Sollenau und begeben uns in das Hochmittelalter (Frühjahr 1245), ins Jahr vor der Schlacht an der Leitha. Wir nehmen jedoch nicht die damals erst jüngst errichtete Venediger Straße, welche über 600 Jahr diesen Namen trug und vom Ende des 18. Jahrhunderts als Triester Straße bezeichnet wurde. Wir begehen von der österreichischen Grenze an der Piesting bei Sollenau den „Lichtenwörther Weg“, welcher bis ins 19. Jahrhundert noch vorhanden war und gelangen dabei in die Steiermark (Grafschaft Pitten). Dieser Weg verlief von der Piestingbrücke über den Weg, welcher anstatt „Lichtenwörther Weg“ heute „Am Schießplatz“ genannt wird (Original-Trasse!), bis zur heutigen Groß-Mittelstraße und weiter über die große Steppe südlich von Sollenau (Goldene Heide) in direkter, gerader Verbindung zum heutigen Kreisverkehr nordwestlich von Lichtenwörth. Die Gegend des heutigen Kreisverkehrs dürfte schon in Vorzeiten ein bedeutender Knotenpunkt gewesen sein, was aus Grabungen anläßlich der Errichtung des Kreisverkehrs im Projekt „Umfahrung Wiener Neustadt“ hervorging.3


3 Freundliche Mitteilung von Herrn Leopold Scheibenreif, Wr. Neustadt.


Über die Dorfeinfahrt (Michael Hofer Straße) gelangen wir zum Dorf Lichtenwörth (Ersterwähnung 1174 als Lutunwerde), links (östlich) die Burg Lichtenwörth, ein bevorzugter Aufenthaltsort von Herzog Friedrich II., dem Streitbaren, bis zu seinem Tode in der Schlacht im Jahre darauf (1246), weiter bis zum südlichen Ort, dann über die Gemeindeweide zur Leitha-Furt. Damit verlassen wir die Steiermark (Grafschaft Pitten) und gehen über die Leitha nach Ungarn, womit wir nach …

Abb. 1: Der „Lichtenwörther Weg“ (rot hervorgehoben) von Sollenau nach Lichtenwörth über die Steppe (Goldene Heide)4

2 Alrams

… gelangen. Alrams ist ein längst untergegangenes ungarisches Dorf, welches vermutlich gegenüber von Lichtenwörth lag. Lichtenwörth5 ragt mit einer Exzentrik der Gemeindegrenzen rechts über die Leitha, obwohl dieses Gebiet rechts der Leitha einst zu Ungarn gehörte und deshalb liegt der Schluß nahe, daß hier dereinst ein ungarisches Dorf lag.


4 Karte des Colonel Ingenieur Breguin: „Plan de la bruyere entre la ville de Neustadt et le village de Solinau“, 1763

5 Wörth: mhdt. Flußinsel, der Wörth/der Werth.


Abb. 2: „Ungarisches Gebiet in Österreich“, Zillingdorf und der Lichtenwörther Hotter rechts der Leitha in der Beschreibung der Landesgrenzen 1754/1755, mit Einzeichnung der Ungarischen „Pratensions Gräntzen“ entlang der Leitha (gelb liniert)6

Über Alrams liegt eine hervorragende geschichtliche Behandlung von Hans Wagner aus dem Jahre 1951 vor.7

Aus mehreren Dokumenten ist bekannt, daß sich Alrams (in einer Urkunde aus 1280 singulär auch Alramsdorf bezeichnet), im Besitz des Adelsgeschlechts des Hauses Osl befand und sich die Adeligen dieses Hauses teilweise auch Grafen von Alrams nannten, was die Bedeutung dieses Dorfes und der Gemarkung hervorhebt.

Die Bezeichnung Alrams ist sicherlich bereits deutschen Ursprungs und der genetivische Dorfname weist mglw. auf den ersten Inhaber, Lokator oder Dorfrichter hin. Bereits J. K. Homma weist auf die Lage von Alrams im „Ostteil des Hotters von Lichtenwörth am rechten Leithaufer“ hin.8

Die Ersterwähnung von Alrams erfolgt in einer Urkunde vom 25.02.1232, mit welcher Graf Peter aus dem Hause Osl einige Güter zu Alrams einem Wiener Neustädter Bürger verkauft. Die Personen, welche auf Verkäuferseite als Zeugen für Graf Peter fungierten, lassen bereits auf eine Durchdringung der ungarischen Ortschaften mit deutschen Siedlern schließen: Ulrich von Walbersdorf, Meinhard und Heinrich von Alrams, Mert, Ulrich (Richter von Höflein), Eberhard (Richter von Krensdorf), dessen Bruder Stefan, sowie ein Walter und ein Meinhard treten als Zeugen des Grafen auf. Am 08.04.1245 beurkundete der Deutsche Ritterorden, Komturei Wiener Neustadt dieses Rechtsgeschäft.

Wagner9 gibt, neben der bereits von mir genannten oben angeführten Gemeindexzentrik, 4 Hinweise für die Lokalisierung in diesem Raum und einen weiteren, fünften entscheidenden Hinweis mit einer in einem Dokument genannten Flurbezeichnung:


6 Karte des Johann Walter: Mappa derjenigen Gränzen Linie, welche zwischen dem Königreich Hungarn und dem Erzherzogthum Österreich unter der Enns bestehet, 1754/1755, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest, B IX c 642
7 Wagner, Hans: Alrams, in Burgenländische Heimatblätter 13, 1951, S. 256-264.

8 Wagner, Hans: Alrams, in Burgenländische Heimatblätter 13, 1951, S. 256-264, zit. n. Homma, J. K.: Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes in „Festschrift zur Feier des zweihundertjährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staatsarchives, II. Bd. [1951]

9 Wagner, Hans: Alrams, in Burgenländische Heimatblätter 13, 1951, S. 256-264.


  1. 1324 wurde „die Lage des Ortes an der Leitha innerhalb Ungarns an der deutschen Grenze angegeben“.
  2. „Unmittelbare Nähe von Wiener Neustadt“ durch ständiges Auftreten von Wiener Neustädter Bürgern und dem Deutschen Ritterorden, Komturei Wiener Neustadt10. Außerdem wird 1384 ein Graben von Wiener Neustadt durch die Au über die Leitha nach Alrams genannt.11
  3. Alrams ist sicherlich nicht mit einer weiteren Wüstung diesen Raumes (Warth, ung. Röjtökör) ident, weil beide Dörfer in mehreren Urkunden getrennt voneinander vorkommen.12
  4. Am 08.07.1346 werden in einer geographischen Aufzählung der Grafen von Mattersdorf-Forchtenstein die Ortschaften in der geographischen Reihenfolge Kobersdorf-Röjtökör-Alrams-die beiden Eggendorf an der Leitha-Müllendorf-Pöttsching-Zillingtal-Hirm-Sigleß-Mattersburg-Forchtenstein-Wiesen etc. genannt.13

Der entscheidende (5.) Hinweis über die Lage, die oben angeführten Vermutungen betreffend, beinhaltet jedoch eine Urkunde des Deutschen Ritterordens, Komturei Wr. Neustadt aus 1291, auf die Wagner verweist:

5. Am 31.07.1291 erwirbt der Deutsche Ritterorden, Komturei Wr. Neustadt einen vom Wiener Neustädter Bürger zuvor erworbenen Besitz, dies unter Zustimmung des Grafen Gregor von Alrams und seinem Vater Graf Peter. Als Kaufgegenstand werden unter anderem 11 Äcker im Heuthal, genannt „Luzze“ bezeichnet.14

Damit dürfte der entscheidende Hinweis auf die Lage insofern gegeben sein, als quer über dem Osthotter von Lichtenwörth rechts der Leitha bis zur Zillingdorfer Grenze eine Senke verläuft, welche heute noch den Flurnamen Heuthal trägt und sich in dieser Senke auch der Heuthalhof befindet.

Einen weiteren Hinweis, den Wagner nicht in seine taxative Aufzählung aufnimmt, lässt sich auch aus dem Urbar des Deutschen Ritterordens aus dem Jahre 1312 ableiten. Meines Erachtens lässt die Nennung „Daz ist enhalben der Leyta in Olrams vnd in dem Heytal dinst 2% phunt und X phennig an sand Michels tag.“ eindeutig auf eine Lage jenseits (=enhalben) der Leitha schließen.15

Der Deutsche Ritterorden verstärkte jedenfalls seine Präsenz in Alrams im Jahr darauf (1292) noch durch den Erwerb einer Wiese mit Zustimmung von Gregor, Graf von Alrams.16

Als weitere Grundbesitzer sind insbesondere auch weitere Bürger aus Wiener Neustadt genannt. Im Urbar des Deutschen Ritterordens aus 1312 erscheinen als Eigentümer in Alrams bereits überwiegend Bürger aus Lichtenwörth und Eggendorf und keine Bürger aus Alrams. „1356 wird Alrams als nicht oder wenig bevölkert bezeichnet“.17

Die Lage des Dorfes vermutet Wagner demzufolge „am ehesten gegenüber Lichtenwörth an der Straße nach Pöttsching“.18


10 Die Komturei des Deutschen Ritterordens in Wiener Neustadt befand sich bis 1673 im nordöstlichen Viertel von Wiener Neustadt (Deutschherrenviertel, zwischen Wiener Straße und Ungargasse) und zwar südlich des heutigen Krankenhauses im Bereich der Karmeliterkirche (einst Deutschordenshaus). Der heute nicht mehr existente nordöstliche Reckturm der Stadtbefestigung war demzufolge auch der Deutschherrenturm.

11 Wagner, Hans: Alrams, in Burgenländische Heimatblätter 13, 1951, S. 256-264, zit nach Mayer. Gesch. wr. Neustadts I, S. 411: „eingraben der do get von der Newnstat durich die aw über die Leyita gegen dem Olrams“

12 Anm. d. Verf.: Auch kann Alrams nicht mit dem heutigen Neudörfl ident sein, weil ansonsten die Maut nicht Maut von Warth (Röjtökör), sondern Maut von Alrams genannt worden wäre.
13 Wagner, Hans: Alrams, in Burgenländische Heimatblätter 13, 1951, S. 259 befand sich somit Alrams in „unmittelbarer Nähe“ von Warth (Röjtökör).

14 Original: Urk. 1019, Deutschordenszentralarchiv, Wien
15 Wagner, Hans: Alrams, in Burgenländische Heimatblätter 13, 1951, S. 261
16 Original: Urk. 1022, Deutschordenszentralarchiv, Wien
17 Wagner, Hans: Alrams, in Burgenländische Heimatblätter 13, 1951, S. 256-264. 18 Wagner, Hans: Alrams, in Burgenländische Heimatblätter 13, 1951, S. 256-264.


Jedenfalls war Alrams ab 1324 ein Zankapfel zwischen den adeligen Geschlechtern Osl und Mattersdorf- Forchtenstein und im wechselnden Besitz. Zuletzt war es jedenfalls mit Nennung vom 13.03.1435 noch im Besitz der Mattersdorf-Forchtensteiner.19

Verlassen wir nun die Ausführungen von Wagner und erweitern die Gedanken:

Alrams ging unter. Alrams gehört zum Großraum Neudörfl-Alrams-Zillingdorf-Neufeld rechts der Leitha, in welchem die Schlacht an der Leitha am 15.06.1246 stattfand, nachdem der Beteiligte Ulrich von Liechtenstein von einem Überschreiten der Leitha vor der Schlacht berichtete. Möglicherweise wurde das Dorf auch durch die zeitliche Nähe und die örtliche Nähe zu den Kämpfen im Rahmen der Güssinger Fehde (1285-1291) vernichtet.

Das benachbarte Zillingdorf, welches sich ebenfalls im Besitz der Mattersdorf-Forchtensteiner befand, wurde vermutlich aus Geldnöten dem österreichischen Adelsgeschlecht von Puchheim verpfändet (1404). Zwischen 1411-1415 lösten die Puchheimer die Pfandrechte ein und wurden in Ungarn zu Eigentümern in Zillingdorf, wobei sie auch österreichische Lehensinhaber von Lichtenwörth waren. Den Puchheimern wurde aus Treuelosigkeit dieser Besitz im Jahre 1491 entzogen.

Am 11.06.1493 wurde dem Bistum von Wiener Neustadt (Augustiner-Chorherren) durch Kaiser Friedrich III. die Burg Lichtenwörth, mit den Dörfern Lichtenwörth und Zillingdorf übereignet.20

Meine Vermutung ist, daß Alrams bereits gemeinsam mit den Dörfern Zillingdorf und Lichtenwörth (1493) in den Besitz des Bistums Wiener Neustadt (Augustiner-Chorherren) kam und damit 2 ungarische Dörfer (Alrams und Zillingdorf) mit Zuständigkeit des Bistums Raab (Györ) der österreichischen Landtafel zugeschrieben wurden. Möglicherweise wurde Alrams nach der letzten Nennung als Eigentum der Mattersdorf- Forchtensteiner (1435) ebenso von den benachbarten Puchheimern erworben und in Bestand gegeben, weil nicht ersichtlich ist, wie sonst Mattersdorf-Forchtensteiner Besitz der österreichischen Landtafel zugeschrieben werden konnte.

Indem wir nun weiter über Alrams der Straße Lichtenwörth-Pöttsching folgen, kommen wir an den Waldrand des Zillingdorfer Waldes und gelangen nach …

3 Zillingdorf

Die 1770 detailgetreue Landesaufnahme der Herrschaft Pöttsching21 liefert zahlreiche Flurnamen, welche gemeinsam mit der Chronik von Lichtenwörth22 eine Entschlüsselung der mittelalterlichen Zillingdorfer Hotterbeschreibung aus dem Banntaiding (datiert vor 1491) ermöglichen.

Diese führen zur Erkenntnis, daß der Zillingdorfer Wald nicht nur im Bestand von Zillingdorfern war, sondern dieser Wald innerhalb der mittelalterlichen Gemeindegrenzen von Zillingdorf lag und auch noch 1770 innerhalb von Zillingdorf lag!


19 Wagner, Hans: Alrams, in Burgenländische Heimatblätter 13, 1951, S. 256-264.

20 Buttlar-Gerhartl, Gertrud: Wiener Neustadt – Bischofssitz von 1469 bis 1785, in Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich 52, 1986, S. 1-54.

21 Karte des Ing. Samuel Krieger: Die zur Graffschafft Forchenstein gehörige Herrschafft Poetsching samt allen darzu gehörigen Orthschafften, 1770, Orig: Kartensammlung des Fürstlich Esterhäzyschen Familienarchivs VII, 303, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest.
22 Haider, Adalbert u. Lenauer, August: Von Lutunwerde zu Lichtenwörth, Die Geschichte der Marktgemeinde Lichtenwörth, 1992, S. 165.

Die Chronik gibt zeigt auf S. 165 den „Urbariweg“, der als Grenzweg zwischen Zillingdorf und Lichtenwörth bis zu dem Weg ging, der den Zillingdorfer Wald westlich umrundete.


Die Hotterbeschreibung aus dem Banntaiding lautet:

„Item, von erst heben sich an die marich und hotter des dorfs Zilingdorf: am ersten von der Frawnhoferinn püchl [1] herab unz an die prugk zu Zilingdorf [2], von Zilingdorffer prugk [2] hinab unz auf Seyberstarffer wird [3], nach dem marichstain hinaus unzt auf Stinkhenprunner hotter [4], von Stinkhenprunner hotter [4] nach dem grabm umbhin unzt an den lebar, dabei ligt auch ain hotter, und von dem hotter unz auf die Hofstetegker [5], daselbs ligt auch ain hotter, und von den Hofstetekhern [5] unz an des Smids holz [6], da ligt auch ain hotter, von des Smids holz [6] und hotter unz auf den Turkhen [7], do ligt auch ain hotter, von dem Turkhen [7] unz an die Tamanleytn [8], von der Tamanleytn [8] ab auf des Haiden weingarten [9], nach dem steig ab unz auf den Ungerweg [10], von dem Ungerweg [10] unz auf den Güsser [11] bei des Kunigsperger weingarten, von dem Güsser [11] unz auf den Wartperg da das kreuz stet [12], von dem Wartperig [12] herwider umb nach unserm holz [13] unz auf den Urbarweg [14], von dem Urbarweg [14] herwider in unz zu der Frawnhoferinn püchl [1] do man an hat gehebt.“

Damit können die mittelalterlichen Grenzen von Zillingdorf recht detailgetreu rekonstruiert werden und mit Ausnahme einer wesentlichen Exzentrik (Zillingdorfer Wald mit einem Flaschenhals am „Neubruch“, ua. grün liniert) kann eine weitgehende Übereinstimmung mit den heutigen Gemeindegrenzen festgestellt werden:

Abb. 3: Gemarkung von Lichtenwörth, links der Leitha (blau): Lichtenwörther Hotter, rechts der Leitha (blau) bis zum Zillingdorfer Wald (grün): vermuteter Hotter von Alrams

Damit befand sich Alrams mit seiner Gemarkung vermutlich einerseits zwischen Leitha, am rechten Ufer und andererseits zwischen Zillingdorfer Wald. Die Begrenzung zu Zillingdorf wird der genannte Urbarweg [14] gewesen sein.

Irgendwie, zwischen 1770 (Landesaufnahme Herrschaft Pöttsching) und 1820 (Erstellung grundbücherliche Urmappe in Lichtenwörth und Zillingdorf), ist der Wald in die Gemarkung von Lichtenwörth gekommen, wobei der Waldbesitz aber bis heute ausschließlich mit Zillingdorfer Grundbesitz verbunden ist.

Der Wald beginnt bereits östlich der Straße Lichtenwörth-Pöttsching, dort wo ein Weg entlang des Waldes zum Urbarweg geht, wird durch die Kreuzung mit der Neudörfl-Pöttschinger Straße unterbrochen und setzt sich in südwestlicher Richtung fort bis zum östlichen Ort von Neudörfl und zur Dorfeinfahrt von Bad Sauerbrunn. Die Größe beträgt rund 4,2 Quadratkilometer. Der Großteil des Waldes (rd. 3,6 Quadratkilometer) gehört heute der Agrargemeinschaft Waldgenossenschaft Zillingdorf I23. Lediglich nördlich des Sauerbrunner Waldheims sind 2 Grundstücke des Waldes (rd. 600.000 qm2-Grund) den Österreichischen Bundesforsten zugehörig.

Die Chronik von Lichtenwörth berichtet, daß der Wald auch „Bischofswald“ genannt wurde.24


23 Die Agrargemeinschaft besteht aus den jeweiligen Eigentümern der Stammsitzliegenschaften: EZ 4 19 26 48 52 58 63 65 66 75 80 132 142 200 303 317 534 899 904 931 1117 1178 1386 1435 GB 23442 Zillingdorf mit je einem Anteilsrecht, EZ 2 3 5 7 9 10 13 14 16 17 20 21 29 32 34 36 37 38 44 46 47 52 53 54 55 56 57 62 67 70 72 73 74 76 77 78 79 81 83 84 295 528 983 1148 1443 1450 GB 23442 Zillingdorf mit je 2 Anteilsrechten, EZ 1 18 20 22 23 GB 23442 Zillingdorf mit je drei Anteilsrechten.

24 Haider, Adalbert u. Lenauer, August: Von Lutunwerde zu Lichtenwörth, Die Geschichte der Marktgemeinde Lichtenwörth, 1992, S. 46 u. 57.


Abb. 4: Zillingdorfer Wald in Lichtenwörth
(gelb hinterlegt: Besitz der Agrargemeinschaft Waldgenossenschaft Zillingdorf I)

Indem wir nun der Straße Lichtenwörth-Pöttsching weiter folgen, kommen wir im Bereich des Zillingdorfer Waldes an die Kreuzung, wo der Weg östlich nach Pöttsching abgeht. Wir begehen aber hier den Weg in das heutige Neudörfl, ung. Lajtaszentmiklós (eine späte ungarische Neugründung des Jahres 1644) und gelangen zu einer Weide, die wir so überqueren, daß unsere Route der heutigen Matthias Kollwentz Straße entspricht und wir zur späteren Kirche von Neudörfl gelangen, wo wir in Richtung Südosten den Weg in das heutige Sauerbrunn nehmen. Vorbei an der Richtstatt (am Ende der Kirchacker Richtung Sauerbrunn, dort wo sich heute der Tennisplatz Neudörfl befindet) gelangen wir an eine höllische (finstere) Enge, links der Zillingdorfer Wald, recht der Mitterriegel (Wald). Wir passieren das rechts der Straße befindliche Wegkreuz, welches bereits im Zillingdorfer Banntaiding (datiert vor 1491) genannt und bei der Landesaufnahme 1770 als „Warth Creutz“ bezeichnet wurde. Damit gelangen wir in das ungarische Dorf Warth (ung. Röjtök-Ör), welches heute als Bad Sauerbrunn bekannt ist.

4 Warth

Aus einer 1770 erfolgten Landesaufnahme des Hauses Esterhazy ist uns eine detailgetreue Landesaufnahme der Herrschaft Pöttsching erhalten.25 Zu dieser Herrschaft gehörten im Jahre 1770 neben dem Dorf Pöttsching auch das Dorf Zillingthal, das neuerrichtete Neudörfl, sowie das wüste „Prädium Warth“.

In Wart waren ursprünglich 24 Lehen vergeben, was auf eine größere Dorfanlage hindeutet. Diese fielen jedoch im Laufe der Zeit öde und die Gründe des öden Dorfes Warth wurde als „Prädium Warth“ in den Bestand der umliegenden Bauern gegeben. „15 Lehen waren gegen Zins an Bauern aus Pöttsching und Nachbardörfern vergeben“. Insbesondere aber auch die Wiener Neustädter verfügten über umfangreichen Besitz an Äckern, Wiesen, kleinen Wäldern und Weingärten. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts stellten die Wiener Neustädter rund 3⁄4 der Weingartenbesitzer.26

Die ausgedehnten Wiesen dienten als Weiden für die aus Ungarn nach Österreich getriebenen Ochsenherden.27

Der Gemeindehotter verblieb jedenfalls als Prädium Warth erhalten und unterstand (unbesiedelt) der Herrschaft Pöttsching und diese wiederum der Grafschaft Forchtenstein.

Die Ersterwähnung von Warth (noch als ung. Röjtök-Ör) stammt aus dem Jahre 1223. In diesem Jahr wurde das Dorf an die Mattersdorf-Forchtensteiner verliehen und verblieb (gemeinsam mit Pöttsching, welches 1232 von den Mattersdorf-Forchtensteiner erworben wurde) in der Grafschaft Forchtenstein bzw. im Rechtsnachfolge- Besitz der Esterhazy bis heute. Den Dorfumfang, die Flureinteilung und die Flurnamen des Jahres 1770 in das Hochmittelalter zu projizieren erscheint, wie aus anderen Beispielen bekannt28, zulässig zu sein, insbesondere vor dem Hintergrund einer gewissen Besitzkontinuität.


25 Karte des Ing. Samuel Krieger: Die zur Graffschafft Forchenstein gehörige Herrschafft Poetsching samt allen darzu gehörigen Orthschafften, 1770, Orig: Kartensammlung des Fürstlich Esterhäzyschen Familienarchivs VII, 303, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest.
26 Atlas-Burgenland.at, Orte: Pöttsching, http://www.atlas- burgenland.at/index.php?option=com_content&view=article&id=640:poettsching&catid=9&Itemid=163

27 Atlas-Burgenland.at, Orte: Neudörfl; http://www.atlas-burgenland.at/index.php?option=com_content&view=article&id=620:neudoerfl- an-der-leitha&catid=9&Itemid=101

28 Maurer, Dr. Rudolf: Große Herren, kleine Leute, Das alte Leesdorf 1114 – 1800, Katalogblätter des Rollettmuseums Baden, Nr. 84, 2011, S. 23


Abb. 5: Westlicher Ort von Warth (Sauerbrunn)

Die Einfahrt nach Warth (Sauerbrunn) befand sich nicht an der Stelle der heutigen Straße (in Fahrtrichtung Sauerbrunn links der Eisenbahn), sondern in Fahrtrichtung Sauerbrunn rechts der Eisenbahn, wo auch am rechten Straßenrand das „Warth-Creutz“ (heute Sauter bzw. Fleischhacker-Kreuz) stand. Dieser Weg existiert noch heute. Er setzt sich in Fahrtrichtung Sauerbrunn fort bis zur heutigen Promenade Nr. 37, von wo er über die heutige Eisenbahn in die heutige Wiener Neustädter Straße überging. Rechts der Straße lagen Acker, die heute fälschlich „Hallischen“ heißen. Ein Blick auf die Landesaufnahme 1770 zeigt nämlich, daß die nachfolgenden Weingärten die Bezeichnung „Höllische Weingarten“ trugen und dies vermutlich aufgrund der Nähe zur höllischen (finsteren) Enge zwischen Zillingdorfer Wald und Mitterriegel begründet lag. Somit heißen die Acker am östlichen Ort vermutlich richtigerweise „Höllische Acker“.

Rund 150 Meter nach dem Warth Creuz ging bereits zuvor ein Weg links über die heutige Eisenbahn ab, der in die heutige Zehentstraße überging. Diese Zehentstraße lag am „Kirchbügel“, welcher sich links (Häuser Nr. 1 – 17) und rechts der Zehentstraße (Häuser Nr. 2-12) befand und vermutlich einst den Standort der Warther Kirche markierte.29 Dies kann insofern bestätigt werden, als eine von mir gesichtete Urkunde aus dem Bestand des Neuklosters Wr. Neustadt vom 15.11.1473 („Testament Friderich Sechsperger“) von einem Gotteshaus auf dem Kirchbühel Bescheid gibt.30 Am Standort der Zehentstraße 14 befand sich die „Zehenthütte“, bei welcher die österreichischen Weingartenbesitzer den „Ausgang“ (Zoll für die Ausfuhr ihres ungarischen Weines nach Österreich) zu entrichten hatten. Der Kirchbügel lag bereits ring umringt von den riesigen „Warth Wiesen“, die sich von hier weit in östliche Richtung fortsetzten.


29 Prickler, Harald: Die österreichisch-steirischen Grenzstädte und der burgenländisch-westungarische Raum, in Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Jahrgang 96 (2005), S. 213

30 Testament Friderich Sechsperger, Original Stift Neukloster Wr. Neustadt, Sign. 1473 XI 15, in welchem Friderich Sechsperger, welcher über Grundbesitz in Warth verfügt („zwei Weingärten am Guser in der Wartt samt einer Wiese und einem Holz, dienstbar mit 40 d nach Vorchtenstain“), 1 Fass seines Weins dem Gotteshaus auf dem Kirchbühel vergibt.


Am Waldrand neben dem Zillingdorfer Wald verlief der bis dato bestehende Waldweg und der riesige Weingarten, welcher heute „Hohengieser“ genannt wird, erstreckte sich nach wenigen Ackern von hier rechts vom Waldweg beginnend. In der Landesaufnahme 1770 bzw. der Urmappe des Katasters 1856 hieß die Flur „Obergieser“ bzw. „Obergieser Höhen“. Somit wurde vermutlich aus dem ursprünglichen Flurnamen die heutige Bezeichnung „Hohengieser“.

Abb. 6: Ursprüngliche westliche Einfallstraße nach Warth (Bad Sauerbrunn) mit dem Warth-Creutz (heute Sauter bzw. Fleischhackerkreuz, errichtet 1651 vom Fleischhacker Sauter und seiner Hausfrau Elisabeth). In der mittelalterlichen Grenzbeschreibung im Banntaiding von Zillingdorf (datiert vor 1491) wird dieser Ort als „Wartperg da das kreuz stet“ bezeichnet.
Abb. 7: Südliches Warth (Sauerbrunn), Teil 1

Die heutige Promenade in absteigender Nummernfolge ab Nr. 37 ging in weiterer Fahrtrichtung Sauerbrunn quer über Acker und Weingärten, die hier rechts der Wr. Neustädter Straße (ab Kreuzung Feldgasse: Mattersburger Straße) lagen. Bis zur heutigen Reichelgasse und Eichengasse lagen Äcker, danach (auch schon beiderseits der Eichengasse) lagen ausgedehnte Weingärten. Die Weingärten trugen die Bezeichnung „Höllische Weingarten“, was vermutlich aufgrund der Nähe zur höllischen (finsteren) Enge zwischen Zillingdorfer Wald und Mitterriegel begründet lag. Weiter oben am Waldrand lagen hinter der Waldgasse und Föhrengasse auch Weingärten (Landesaufnahme 1770). Die Weingärten rechts der Wiener Neustädter Straße setzten sich fort bis zur Schulstraße.

Zwischen Schulstraße/Kirchengasse, sowie Postgasse befand sich die „Sauerbrunn Wiesen“ mit dem Sauerbrunn oberhalb. Direkt hinter dem Sauerbrunn, wo der Wald heute bereits in den Kurpark vorgedrungen ist, standen 1770 auch noch Weingärten, genannt „Turner“, was mglw. auf einen einstmaligen Turmstandort beim Sauerbrunn hinweist (mhdt. Turm = Thurn). Zwischen Postgasse und Berggasse folgten Obstgärten und Weingärten.

Abb. 8: Südliches Warth (Sauerbrunn), Teil 2

Microsoft Word – Beiträge zur Sollenauer Geschichte Teil 5

Zwischen Mattersburger Straße, Berggasse, sowie Badstraße und gerader Verlängerung der Badstraße über die Eisenbahn (Hartiggasse) lagen weitere Weingärten. Diese trugen den Namen „Trinsel“ und „Leser Wurmbrand“. Zwischen Mattersburger Straße und Eisenstädter Strasse bzw. Sigleßer Straße befanden sich Weingärten genannt „Breiten Weingarten“.

Abb. 9: Südliches Warth (Sauerbrunn), Teil 3

Zwischen Mattersburger Straße, Badstraße sowie Verlängerung der Badstraße über die Eisenbahn (Hartiggasse) und Wiesener Straße befanden sich bis zum südlichen Ort (Grenze zu Wiesen) wieder Weingärten. Diese lauten „Auer Weingarten“, „Wolner Weingarten“, „Mellenfichter“ und „Langen“, dazwischen eine Wiese mit einem Acker genannt „Fuxen Löcher“. Am Ort an der Wiesener Straße lag die Weingartenriede „Fesendorff“.

Abb. 10: Mittleres Warth („Ober Gieser“, „Neusatz“, „Unter Gieser“ und „Warth Wisen

Setzt man seinen Weg vom Waldweg entlang des Zillingdorfer Waldes neben dem „Obergieser“ in nördlicher Richtung fort, so gelangt man an 2 Wege die nacheinander östlich abgehen. Diese Riede bei den beiden Wegen (eine Verlängerung des Waldes in die benachbarte Weinbauflur) trägt die Bezeichnung „Hungerkasten“. Verfolgt man die beiden Wege, welche sich kurz darauf vereinen, gelangt man an den Ober Gieser Weg. Rechts von diesem Weg liegt der „Obergieser“, links vom Weg weitere Äcker und auch Weingärten, genannt „Neusatz“. Mitten auf den Obergieser Höhen steht das „Oster-Creutz“, heute „Wetterkreuz“ genannt. Setzt man seinen Weg am Obergieser Weg ohne abzuzweigen in gerader Richtung fort, so gelangt man eine Kreuzung, von welcher ein Weg abgeht, der „Obergieser“ und „Untergieser“ trennt.

Setzt man hingegen vom „Kirchbügel“ (Zehentstraße 1-17 linke Häuser und Zehentstraße 2-12 rechte Häuser) seinen Weg in östliche Richtung fort, so breiten sich die dem Kirchbügel bereits rechts und links liegenden „Warth Wiesen“ auch in östlicher Richtung in einer ungemeinen Ausdehnung aus. Diese werden links anfangs vom „Obergieser“ und danach vom „Untergieser“ begrenzt, sowie rechts von der Mattersburger Straße, Eisenstädter Straße und Sigleßer Straße. In der Flur Untergieser befinden sich 1770 Acker und Weingärten.

Die unterhalb des „Ober Giesers“ liegende räumlich abgegrenzte Weinbauflur, benachbart dem „Unter Gieser“, fand in der Landesaufnahme 1770 keine Bezeichnung. Die nachfolgenden Herrschafts- Landesaufnahmen des Jahres 1859 bzw. 1862 weisen diese als „Koglkopf“ aus.

Abb. 11: Eingrenzung der Flur „Untergieser“, mit „Koglkopf“
Abb. 12: Lahmenwald mit 2 Feldfluren“ (Satz Acker und Lahmenfeld)

Am Kreuzungspunkt angekommen, von welchem der Weg abgeht, der Obergieser und Untergieser voneinander trennt, kommt man zu einer Feldflur mit 3 Ackern, genannt „Satz Acker“. Mit Ausnahme vom mittleren Acker wird auch hier Weinbau auf den beiden äußeren Ackern betrieben. Anschließend findet sich der riesige „Lahmenwald“, mit seinem „Hausberg“.

Hinter dem „Lahmenwald“, von dem ein großer Teil der Fläche seit 1856 der Rodung zum Opfer fiel, findet sich eine weitere Feldflur, das „Lahmenfeld“. Diese besteht aus dem „Lahmenacker“, dem „Kühbrunn Acker“ (mit daneben befindlichen „Kühbrunn“), sowie dem „Edelbach Acker“.

Abb. 13: Lahmenwald , Hausberg am Lahmenwald und Satzacker
Abb. 14: Unterer Lahmenwald (gerodet), sowie Lahmenfeld (blau gekennzeichnet: Kühbrunn)“

Der Lahmenwald hat seinen Namen vermutlich von einem gewissen „Lampert“ erhalten, welcher in einer Urkunde aus 1230 erwähnt wird. Diese Namensgebung ist insbesondere schlüssig, weil auch in den Urbaren 1500 und 1526 das „Lamerguet“ genannt wird. Der Hausberg am Lahmenwald ist ein „Überrest einer hochmittelalterlichen Wehranlage, wobei das Kernwerk einen Durchmesser von 27 bis 33 m hat. Das Kernwerk ist von einem doppelten Wall-Graben-System umgeben.“31

Im Lahmenwald hat sich auch die Anzahl der 24 ursprünglichen Lehen (Höfe) in Warth erhalten, weil diese Zahl, als Anzahl der „Waldlüsse“ bis in die Neuzeit erhalten geblieben war.32

Das riesige Ausmaß der Gemarkung von Warth wird erst dann ersichtlich, wenn man seinen Weg östlich oder nördlich fortsetzt. In östlicher Verlängerung gehörte ein weiteres riesiges Gebiet jenseits des damaligen „Edelbaches“, auch „Siebenhirt- bzw. Siebenwehrteichbach“ genannt (heute gem. burgenländischem Wasserbuch: „Erlbach“), zwischen Wiesen (südlich) und Sigleß (nördlich), sowie bis Mattersdorf zum Prädium Warth.


31 Atlas-Burgenland.at, Orte: Pöttsching, http://www.atlas- burgenland.at/index.php?option=com_content&view=article&id=640:poettsching&catid=9&Itemid=163
32 Prickler, Harald: Die österreichisch-steirischen Grenzstädte und der burgenländisch-westungarische Raum, in Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Jahrgang 96 (2005), S. 213


Abb. 15: Warth jenseits des „Edelbachs“, genannt „Siebenhirt- bzw. Siebenwehrteichbach“ (heute: „Erlbach“) (Osten)

In diesem Bereich zwischen Grenze zu Wiesen (Süden), Grenze zu Sigleß (Norden) und Grenze zu Mattersdorf (Osten) lagen die nachfolgend angeführten Fluren: Entlang des „Edelbaches“, auch „Siebenhirt- bzw. Siebenwehrteichbach“ genannt (heute gem. burgenländischem Wasserbuch: „Erlbach“), lag der „Rohr Teich“, der „Abraham-Teich“, die „Edelbach Wiesen“, der „Lichte Teich“, sowie der „Endters-Teich“. Dahinter befand sich ein großer Wald mit den Rieden „Blum-Au-Waldel“, „Hollerbruck Waldel“, „Pfahr Wald“, „Stinkenbrunner Wald“, „Poetschinger Bestandtwald“ (mit „Poetschinger Wisen“ und „Frey Anger“), „Brudersdorffer Wald“, „Hirmer Wald“, „Rossmarter“, „Der Scheling“, sowie durch den „Wolfssteig“ getrennt, der „Ochsenschuh“ (mit „Ochsenschuh-Brunn“).

Das Ausmaß der weiten Ausdehnung von Warth Richtung Osten liegt vermutlich darin begründet, daß hier weitere Dörfer zu Wüstungen wurden und diese ehemaligen Gemarkungen auf die benachbarten Dörfer verteilt wurden.

Die Markbeschreibung von Warth aus dem Jahre 1223 überliefert uns nämlich: „Die Mark beginnt bei Feneufeu. … Dann zieht die Grenze an dem Dorfe Theluk und an dem Gut (predium) des Gunther weiter und erreicht Bornochfey.“33 Das Dorf Hof (Telek) dürfte am ehemaligen Edelsbach, genannt „Siebenhirt- bzw. Siebenwehrteichbach“ gelegen sein (heute gem. burgenländischem Wasserbuch: „Erlbach“).34 Auch befindet sich im Osten des benachbarten Dorfes (Sigleß) das verödete Dorf Szolonta bzw. Szalonta35; deutsch: Landendorf (vgl. FlN Landendorf in der KG Sigleß).

Jedenfalls dürfte dadurch die Ausweitung von Warth nach Osten begründet liegen.


33 Moor, Elemer: Westungarn im Mittelalter im Spiegel der Ortsnamen, 1936, S. 21 u. 85

34 Moor, Elemer: Westungarn im Mittelalter im Spiegel der Ortsnamen, 1936, S. 262
35 Moor, Elemer: Westungarn im Mittelalter im Spiegel der Ortsnamen, 1936, S. 53 u. 262


Abb. 16: Norden von Warth, mit Grenzfluren zu Pöttsching

Nimmt man entlang des Zillingdorfer Waldes nicht einen der beiden ersten Wege („Hungerkasten“), sondern die zweite Abzweigung nach Osten so gelangt man zur Weinbauflur „Geiss Weingarten“. Zwischen diesem und dem „Obergieser“ liegen die „Eyerbrunn Wisen“, sowie ein daneben liegender Wald. Dieser Wald fand bei der Landesaufnahme 1770 keine Benennung. In den darauffolgenden herrschaftlichen Landesaufnahmen 1859 bzw. 1862 wurde der Wald als „Koglwald“ bezeichnet.

Bei der 3. Abzweigung vom Waldweg in Richtung Osten, gelangt auch ein Weg vom Zillingdorfer Wald, über den dortigen „Wasser Seben“ an die Kreuzung. Dieser Weg, genannt „Länger Weg“, umrandet den Weinbau „Lichtenbergen“ im Süden.

Setzt man seinen Weg bis zur 4. Abzweigung fort, so gelangt man an den nördlichen Weg an der Weinbauflur „Lichtenbergen“ entlang. In dieser Weinbauflur lag auch am Waldweg der Weingarten „Strudel“, sowie diesem benachbart, der Weingarten „Hasenrigel“.

Abb. 17: Die Weingärten „Strudel“ und „Hasenrigel“

Verfolgt man den Weg bis zur 5. Abzweigung genannt „Turckengrund“, so gelangt man an einen heute nicht mehr existenten Weg; den ursprünglichen Grenzweg von Warth zu Pöttsching, welcher in der Erstellung der grundbücherlichen Urmappe 1859 schon nicht parzelliert wurde. Dieser Weg ist heute zudem durch Einfriedung und Flurkommassierung auch nicht mehr gangbar.

Abb. 18: Die ursprüngliche Grenze zwischen Warth und Pöttsching,
mit der Warther Grenzflur Thoma Leitten (Dammleiten) mit dem Turckengrund (T.), sowie den Rieden Nonnenwald (N.) und Gspetner/Gspötter-Acker, gelbe Striche: unklarer Grenzverlauf aufgrund eines dort befindlichen Marchsteines

Die Grenze verläuft dem Weg entlang, der von der 5. Abzweigung des Zillingdorfer Waldes abzweigt und verläuft nordöstlich dem „Nonnenwald“ (N.), dem „Gspetner/Gspötter“-Acker36, sowie 2 Ackern, genannt „Thoma Leitten“ (1859/1862: „Dammleiten“). Hier standen noch 1770 bei der Landesaufnahme 8 Marchsteine, welche die alte Grenze zu Pöttsching markierten. Dann sprang die Grenze zu Pöttsching zurück entlang des Weges neben „Lichtenbergen“ und verlief weiter in östliche Richtung nördlich des „Lahmenwalds“ und des „Lahmenfelds“.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß bei der Gründung von Sauerbrunn im Jahre 1909, Sauerbrunn nur mit einem kleinen Teil des ursprünglichen Hotters (Gemeindegebiets) von Warth ausgestattet worden ist, nämlich nur mit dem südlichen Hotter, wenngleich dort die ursprüngliche Dorfanlage von Warth (beim „Kirch- Bügel“, „Wartperg“) zu vermuten ist. Der Großteil des umfangreichen Warther Gemeindehotters verblieb bis heute in der Gemarkung von Pöttsching.

5 Von Deutsch West-Ungarn ins Burgenland

Die im 12. u. 13. Jahrhundert begonnene deutsche Besiedelung der 3 westlichen ungarischen Grenzkomitate mündete in die 1921 erfolgte Eingliederung dieser Gebiete als „Burgenland“ in Österreich. Während der Großteil des geschlossenen deutschen und ab 1529/1532 teilweise kroatischen Sprachgebietes eingegliedert wurde, verblieben einige bei der letzten Volkszählung (1910) mehrheitlich deutsch bzw. kroatisch ausgewiesene Gemeinden im geschlossenen deutsch-kroatischen Sprachraum bei Ungarn:


36 Die „Gspetner“ (1859) bzw. „Gspötter“ (1862)-Acker blieben in der Landesaufnahme 1770 unbenannt. Die Benennungen sind aus den darauffolgenden herrschaftlichen Landesaufnahmen 1859 und 1862 entnommen.