Kirche und Pfarre Sollenau
erstmalig erschienen in Nachrichten der Markgemeinde Sollenau, Ausgabe No. 1/2023 Mag. Jürgen Scheibenreif und Christian Gruber sen.
Entstehung
Nachdem das Gebiet zwischen Triesting und Piesting und dem Sollenauer Umland ab einer Königsschenkung im Jahre 1035 begann erschlossen zu werden, bedingte dies, auch das Gebiet kirchlich zu organisieren. Die Organisation erfolgte derart, dass für das Gebiet bis zur Grenze an der Piesting die Pfarre und Kirche Sankt Margaretha zu Traiskirchen (Wiener Straße 28-30) eingerichtet worden war, welche ab 1113 dem Benediktinerstift Melk (OSB) unterstand und in diözesaner Zuständigkeit dem Bistum von Passau unterstellt war. Bischof Ulrich von Passau legte dazu 1120 auch die Grenzen des weiträumigen Pfarrgebiets fest. Dies erzeugte die mehrere Jahrhundert andauernde kirchliche Vorherrschaft des Stifts Melk bis zur Piesting. Südlich der Piesting-Grenze und den steinernen Tischen, auf ursprünglich steirischem Gebiet, war die Erzdiözese Salzburg zuständig.
Als die Siedlungsdichte zunahm wurde eine Erweiterung der Urpfarre insofern vorgenommen, als das Gebiet der Urpfarre mit Filialkirchen unter Leitung der Pfarre Traiskirchen versehen wurde. In unserem Gebiet waren dies die Urkirchen Baden, Ebreichsdorf, Gainfarn, Leobersdorf, Ober-Waltersdorf, Sollenau und Tattendorf. Die Erstnennung eines Seelsorgers in Sollenau erfolgte mit einer Urkunde der Babenberger betreffend dem Weinbau am Sollenauer Berg (monte iuxta Salchenowe) vom 10.07.1220, in welcher Gotfrid de Salchenowe als Seelsorger (sacerdos) genannt wurde. In Urkunden vom 15.06.1311 bis 28.07.1371 ist zu lesen, dass die Filialkirchen noch immer der Urpfarre Traiskirchen unterstanden und mit permanenten Vikaren besetzt waren. Ab 24.01.1393 ist vom Sollenauer Pfarrer (plebanus) Niclas von Ybbs zu lesen. In dieser Zeit, am Ende des 14. Jahrhunderts, dürfte das Urpfarrenwesen aufgehoben und auf die aus den Filialkirchen stammenden neuen Pfarren aufgeteilt worden sein, wobei dieser geänderte Rechtsstatus anhand von erhaltenen Schenkungen an die neuen Pfarren ersichtlich ist. Zu den Urkirchen kamen zwischenzeitlich herrschaftliche Eigenkirchen, welche von Herrschaften in ihrem eigenen Wirkungsbereich gegründet worden waren (Enzesfeld und Kottingbrunn). Mit Nennung vom 26.07.1395 ist Sollenau bereits sicher als selbständige Pfarre erstgenannt, nämlich anhand der Schenkung eines Weingartens genannt „In der Setzen“ am Sollenauer Berg durch Ulrich von Wallsee an Pfarrer Niclas (Starhemberger Urkunden Sign. 631, vorm. I/11 [628]). Im Jahre 1396, am Tage „so man singet Populus Sion“ (2. Adventsonntag), erhielt Pfarrer Niclas eine besonders großzügige Schenkung, nämlich die Sollenauer Mühle, genannt Niedermühle. Vermutlich in den Jahren 1404-1406 folgte lt. einem Dokument im Stift Melk noch die landesfürstliche Schenkung des Pfarrwalds in Hölles genannt „Hartt-Holz“ oder „Herzogs-Holz“. Mit Nennung aus dem Jahre 1436 ist in direkter oder indirekter Nachfolge als Pfarrer Michael von Salchenau genannt. Die Matrikeln der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien geben mit Nennung vom 13.10.1454 „Wolfgangus Hayden de Prunn, plebanus in Salhenaw“ als direkten oder indirekten Nachfolger. Zwischen 1477 und 1491 fanden verheerende Einfälle der Ungarn unter Johann Hunyadi, genannt Corvinus und seinem Sohn Mathias statt, welche die Gegend teilweise wüst fielen ließen. Sollenau und die Sollenauer Kirche wurden offensichtlich nach den Ungarn-Kriegen gleich neu bestiftet, weil bereits aus dem Jahre 1492 zu erfahren ist, dass anstatt des verstorbenen Pfarrers Hermann der neue Pfarrer Michael Merz bestellt worden war, womit die Zeit des Mittelalters auch endete. Aus 1529 ist ein Schreiben von Pfarrer Hans Dürr erhalten. Bei der Pfarrvisitation 1544 wurde festgehalten, daß die Kirche seit dem 1. und 2. Türkeneinfall (1529 und 1532) noch in Trümmern lag.
Manche Kirchen gingen aus Festen Häusern/Burgen hervor. Eine andere statistische und topographische Auffälligkeit südlich von Wien ist die Nachbarschaft von Festen Häusern (späteren Burgen) und den Kirchen, wie im Falle von Baden, Enzesfeld, Kottingbrunn. Auch im Falle von Sollenau war dies der Fall. Beide Bauwerke, Kirche und Festes Haus (Burg) standen benachbart, im Sollenauer Falle – auf die Hochwasserkarten gestützt – auf hochwassergeschütztem und dominierendem Terrain, wobei beide Bauten durch einen Wassergraben geschützt waren.
Kirche St. Laurent, Karner und Alter Friedhof
Gemäß freundlicher Mitteilung von Hofrat Dipl. Ing. Dr. Erwin Reidinger (2021) ist der Kirchenbau nach Osten ausgerichtet (geostet) und baulich nach der aufgehenden Sonne orientiert. Gemäß Eintragungen des Pfarrers Johann Baptist Modesti ist die Pfarrkirche am Fest der Heiligen Apostel Peter und Paulus consecriert worden. Die Kirche erhielt ein St. Laurent-Patrozinium, wobei dieser Tag (10. August), sowie der Tag des Krautsiedens traditionell die Höhepunkte des Dorflebens mit Musik und Tanz darstellten. Im Zuge der Renovierung der Pfarrkirche 2008 wurde diese vom Bundesdenkmalamt (BDA) einer Untersuchung unterzogen. Das Ergebnis der BDA-Untersuchungen mündete in einen Bauphasenplan, welcher eine Datierung der Nordmauer in die Zeit der Ersterwähnung von Sollenau (1166), somit 12. Jahrhundert, erbrachte. Das Zentrum datiert aus der Zeit um 1200, ebenso ein vorspringendes Westjoch, vermutlich als Empore für den Kirchenbesuch der Herrschaft gedacht. Der Turm wurde in der Zeit um 1240/46 erbaut.

Die Kirche ist somit romanischen Ursprungs und Aussehens. Die meisten Kirchen wurden im Laufe der Zeit zerstört, abgerissen oder baulich verändert/barockisiert. Von den Filialkirchen der Urpfarre Traiskirchen ist die Kirche von Sollenau die einzig verbliebene Kirche und gemeinsam mit Enzesfeld, die einzige Kirche im Umland, welche ihr ursprüngliches Aussehen bis in die Gegenwart weitgehend erhielt. Die Kirche von Gainfarn wurde im 18. Jahrhundert verändert/erneuert, die alte Wehrkirche von Leobersdorf infolge Erdbebens ebenso abgetragen und im 18. Jahrhundert ersetzt. Die alte Kirche St. Georg am Friedhof in Günselsdorf wurde abgerissen und ersetzt, ebenso die alte Kirche St. Radegund am Friedhof in Matzendorf. Somit sind die Kirchen im Umland und spätere Neubauten (bspw. Steinabrückl) meist barocke Neubauten mit ähnlichem Typus, teils vom Typ des Baumeisters Nothaft in Leobersdorf. Bis in die 1960er-Jahre sassen Männer (rechts) und Frauen (links) noch getrennt. Jedes Ableben eines Bewohners wurde noch mit der kleinsten Glocke im Turm, der Zügenglocke (ugs. Zinnglocke), geläutet, wobei nach Anzahl der Glockenschläge das Ableben von Kind (80), Frau (2 x 80) oder Mann (3 x 80) angegeben wurde. Als baulich einschneidende Veränderung und Verlust der Originalität ist jedoch das nicht den historischen Ansichten entsprechende spitze Zeltdach zu erwähnen. Ansichten aus dem 17. und 18. Jahrhundert zeigen die Kirche mit einem Walmdach (bspw. wie Aspang, Himberg, Perchtoldsdorf, mit vermutlich ebenso roter Deckung), welches sich bis in die Zeit zwischen 1711-1764 (Erwähnung „des neuen Thurmdach“) erhielt. Der Kirchturm von Sollenau muss aber schon früh im Mittelalter legendäre Höhen aufgewiesen haben, weil schon der Reimchronist Ottokar aus der Gaal über das Jahr 1264 berichtete, daß anlässlich der Verehelichung der Nichte Königs Ottokar mit dem ungarischen Prinzen Bela fünf Futterhaufen errichtet wurden, welcher jeder größer war „als der Kirchthurm von Salchenau“.
Die Kirche verfügte über zahlreiche unterirdische Gruften und Gräber, sowie ursprünglich über 7 Altäre, wobei durch den Besuch aller 7 Altäre vollkommener Ablaß gewonnen werden konnte. Rings um die Kirche, eingefasst von einer Wehrmauer, lag bis zur Einsegnung des neuen Friedhofes auf der Gemeindeweide am 28.07.1833 der alte Friedhof, welcher lt. kreisamtlichem Auftrage aufgelassen werden musste. Innerhalb der Wehrmauer stand auch ein Karner (Marienkapelle), dem Turm benachbart, der aus unbekannten Gründen zwischen 1759 und 1820 aufgegeben wurde.
Rund um den Friedhof und die Wehrmauer lag ein Wassergraben, der mit einer Doppel- Bogenbrücke mit innerer Spannweite von rund 5 Metern überspannt wurde, über die man zum alten Hauptportal, dem Südtor gelangte. Nach Auflassung des Wassergrabens wurde ein Weinkeller beim Pfarrhof errichtet. Die Bogenbrücke befindet sich – heute zugeschüttet – gleich entlang des Weinkellers, in welchem sich auch noch in der Mauer die östlichen Teile der Bogenbrücke sichtbar befinden. Das Wasser wurde weiter flußaufwärts von der Piesting, Zyklamenweg 19, abgezweigt und ging mittels Bewässerungssystem beim Durchlaß unter der Südbahn, Höhe Bauhof in das Dorf-Bewässerungssystem und von dort über die Bahngasse in den Wassergraben bei der Kirche, von wo es zwischen Dorf und Kirchenfeld wieder abfloss. Beim 3. Türkeneinfall (1683) dürfte die Kirche weitgehend unbeschädigt geblieben sein. Jedenfalls dürften sich Teile der Bevölkerung in den Karner geflüchtet haben, weil in einer Predigt von Abraham a Sancta Clara, Judas der Erz-Schelm, Predigt „Die dreyssig Silberling“ Lindau 1872, Bd. 6, S. 388 genannt ist, dass sich anno 1683 „etliche zu Solenau“ „in das Todtenbein-Haus auf dem Freythof“ „reterirt“ haben (Mitteilung Dr. Rudolf Maurer, 04.04.2020).

Pfarrhof – Die einstige Burg von Sollenau
Dem Pfarrhof kam natürlich aufgrund seiner besonderen Stellung – die Pfarre war zugleich bis zum 31.12.1938 das offizielle Standesamt der dörflichen Gemeinschaft – besondere
Bedeutung zu. Als im Jahre 1771 Hausnummern eingeführt wurden erhielt der Pfarrhof die Anschrift: Sollenau Nr. 1. Spektakuläre Einsichten brachte im Zuge von Renovierung des Pfarrhofs im Jahre 1994 der „Untersuchungsbefund: Sollenau Pfarrhof / Kirche“, Verfasser: Restaurator Alfred Weiss. Dieser kam nach eingehender Untersuchung zum Schluß, daß von den 3 Trakten des Pfarrhofs (Nord-, Mittel- und Süd) – der Weinkeller neben dem Nordtrakt wurde ja erst später auf dem Grund des aufgelassenen Wassergrabens errichtet – der Nord- und Mittelteil romanischen Ursprungs (12. u. 13. Jhdt.) sind, somit ebenso alt wie die Kirche zu datieren sind. Jedoch sind nur die Mauerteile zur Kirche und zur Strasse gelegen im weitgehend ungestörten romanischen Zustand. Beim Mitteltrakt handelt es sich um die Reste des romanischen Hauptbaues („Festes Haus“), welches im Umland auch Castrum oder Turmhof hieß. Die besondere Mauerstärke nördlich der Eingangstüre (147 cm) könnte auf einen Turm schließen. Der Südtrakt ist gemäß Untersuchungsbefund gotisch, mit einer Datierung Ende 13./Anfang 14. Jhdt. Somit wurde dieses Burggebäude vermutlich im 13. Jahrhundert „gebrochen“, wobei die Brechung bzw. die Wehrunfähigkeit durch Schleifung der Ost- und Südwand erreicht wurde. Zusätzlich ist nördlich von der Tür eine Bresche festzustellen.

Westwand mit Bauphasenplan und Details gem. Untersuchungsbefund Alfred Weiss. Blau-Schwarz: Romanisches Bauwerk mit Quader – Mitte 12. Jahrhundert bis um 1240/46, Grün: Gotischer Zubau mit Bruchstein
Hier also dürfte sich ursprünglich der Sitz des Ministerialen bzw. Amtmannes der landesfürstlichen Herrschaft Sollenau befunden haben und hier dürften auch die Herzogstreffen stattgefunden haben, an welchen die österreichischen Herzöge in Sollenau weilten und im Beisein des Adels urkundeten (1187, 1189 und 1197). Der Historiker Csendes hält hiezu fest, dass Sollenau vor 1200 gemeinsam mit Wien, Tulln, Enns, Graz und Klosterneuburg auf einer Höhe, gemessen an den herzoglichen Beurkundungen stand.
Als die einzelnen Herrschaften in der Rentenwirtschaft und in einsetzenden Wüstungsprozessen (spätmittelalterliche Agrarkrise) zu klein dimensioniert waren, um adelige Besitzer ausreichend haushalten zu können, begann man, mehrere Herrschaften zu größeren Herrschaftsgebieten zusammenzufassen. So wurde die landesfürstliche Herrschaft Sollenau (mit der gebrochenen Burg) obsolet und der Burg und Herrschaft Schönau angeschlossen, möglicherweise im Jahre 1407. Die einstige landesfürstliche Burg wurde so zum Sitz der Vikare bzw. selbständigen Pfarrer.
Kirche und Pfarre Sollenau als Herrschaft (Grundherrschaft)
Kirche und Pfarre Sollenau verfügten einst auch über umfangreichen Grundbesitz, welcher je nach Begabung von den Pfarrern auch landwirtschaftlich eigenbewirtschaftet bzw. in Ermangelung in Pacht verlassen wurde. Im Jahre 1811 erfolgte ein umfangreicher Grundstückstausch mit der Herrschaft Schönau, mit welchem die Pfarre zahlreiche Wiesen und Acker in der Langen Lacken der Herrschaft Schönau überlassen und stattdem die „Erbwiese“ (Grst. 926, 927, 950) und einen Acker am Hauersteig (Grst. 168) erhalten hat. Im Jahre 1820 verfügte die Pfarre in Sollenau, abgesehen von Kirche, Pfarrhof und Pfarrgarten über Grundstücke von insgesamt 57 Joch, zusätzlich einige Weingärten, womit die Pfarre ungefähr doppelt so groß bestiftet war, wie die grössten Bauernhäuser Sollenaus, was möglicherweise auf das ehemalige landesfürstliche Amtslehen schliessen lässt. Zusätzlich war der Sollenauer Pfarrwald in Hölles (Grst. 493, In der Pongratzeben, genannt Hienernest) 41 Joch groß.
Wie aber ist dieser umfangreiche Grundbesitz zu erklären? Betrachtet man die beiden Grundbücher aus dem Jahre 1761, so wird klar, dass die Kirche St. Laurent und die Pfarre Sollenau eine eigene Grundherrschaft war und der Grundbesitz sogar noch viel grösser war. Zu den eigenen Grundstücken (Dominikalgründen) gehörten noch viele Überlandgrundstücke, welche an Bauern vergeben waren und davon jährlich der Kirche bzw. der Pfarre als Grundherren den Grunddienst schuldeten. Dazu gehörte auch die Niedermühle, welche im Streit mit der Herrschaft von dieser gegen Zahlung von 12 Gulden jährlich verwendet wurde, sowie die Wiese (Grst. 2), auf welche diese stand (8 Tagwerk unter der Brücke, zwischen dem Kalten Gang lt. Gewährbuch), somit die Insel, auf welche sich heute die Schrebergärten befinden. Damit war die Kirche und Pfarre Sollenau nach der Herrschaft Schönau zweitgrösste Grundherrschaft in Sollenau. Zur Grundherrschaft gehörten auch die Sollenauer Krautgärten, welche an Sollenauer Bauern um jährliche Grunddienstleistungen vergeben waren. Untersucht man die Verzahnung der Grundstücke der Herrschaft Schönau mit jener von Kirche/Pfarre Sollenau, so wird klar, dass beide Grundherrschaften offensichtlich aus der einst gleichen Rechtsquelle stammten. Die Grundstücke der landesfürstlichen Herrschaft Sollenau wurden also auf die Herrschaft Schönau und die Kirchen- und Pfarrherrschaft Sollenau aufgeteilt.
Zehent
Neben den Erträgen aus der eigenen Landwirtschaft und dem jährlichen Grunddienst von den Überlandgrundstücken der Kirchen- und Pfarrherrschaft hatte die Pfarre Sollenau aber noch eine weitere Einnahmenquelle. Bis zur Aufhebung der Grundherrschaft im Jahre 1848/50 hatte noch jedermann dem Zehentinhaber die jährliche Steuer in Form des Zehents (10 % der Ernte) von landwirtschaftlichen Erzeugnissen abzugeben. Eines der letzten Zehentregister der Pfarre aus dem Jahre 1839 ist erhalten und zeigt, dass innerhalb von Sollenau eine Zehentgrenze verlief, welche der sogenannte Enzesfelder oder Luther-Weg darstellte. Südlich vom Enzesfelder Weg, sowie im Neu-Wiesmahd und am Hauersteig gehörte der ganze Zehent der Pfarre Sollenau. Nördlich vom Weg und im Kirchenfeld gehörte 1/3 des Zehents infolge einer Schenkung der Herrschaft Kottingbrunn vom 11.07.1367 der Pfarre Kottingbrunn.
Reformation und Gegenreformation, Pfarrsprengel
Ab 1517 kam es zu einer sukzessiven Reformation des katholischen Glaubens. In dieser Zeit der Reformation fiel die überwiegende Zahl des Adels und der Untertanen vom alten Glauben ab und wandte sich dem evangelischen Glauben zu. Im 16. Jahrhundert war unser Umland aufgrund von zahlreichen Fundstücken überwiegend evangelisch. Lediglich der Pfarrer von Enzesfeld verblieb beim Glauben und die wenigen noch verbliebenen Katholiken gingen nach Enzesfeld zur Taufe, Trauung etc., was aufgrund einiger weniger Eintragungen von Sollenauern im Enzesfelder Kirchenbuch nachzuvollziehen ist, während die Lutheraner nach Sollenau gingen, was dem Enzesfelder Weg vermutlich den Namen „Lutherweg“ einbrachte.
Die Zustände kurz vor und während der Reformation waren chaotisch. Sie sind im Werk von Wiedemann, Geschichte der Reformation und Gegenreformation erhalten: Vom katholischen Pfarrer Wolfgang Ferstl in Sollenau wurde bekannt, dass er, als er am 13.03.1567 verstarb, eine Schar von 3 kleinen, unerzogenen Kindern und eine hochschwangere Frau hinterließ. Am 05.03.1584 erging ein Verbot an die Wiener Neustädter, Gottesdienste in Katzelsdorf, Schwarzau und Sollenau zu besuchen, was auf bereits „lutherisierte“ Pfarren hinweist. Im Jahre 1605 erging ein Befehl des Landesfürsten an die Pfarrer, das Konkubinat einzustellen. Dabei wurde angemerkt, dass ua. nach Sollenau, Vöslau und Tribuswinkel erst gar keine Verteilung des Befehls erfolgt ist, weil es „seind der Zeit Mördergruben und Nester der Ketzer“.
1584 war Sollenau also gesichert ein evangelisches Dorf, wobei dies lt. Pfarrchronik schon ab 1580 galt. 1625 wurde durch den evangelischen Prädikanten Paul Feilschmidt von Eger noch ein Grundbuch der Pfarre Sollenau errichtet und in einem Gegenanschlag der Herrschaft Schönau aus 1630 ist noch von (evangel.) Prädikanten die Rede. Der Sieg der katholischen Liga in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag (1620) leitete jedoch eine strenge Gegenreformation unter den habsburgischen Landesfürsten ein. Sollenau kehrte also wieder zum Katholizismus zurück, wobei die Gegenreformation aus Enzesfeld, geführt worden war und die Pfarre ab 1636 durchgehend katholisch besetzt verblieb. Dorf, Kirche und Pfarre Sollenau waren somit mindestens 50 Jahre evangelisch. Ein Relikt aus der Zeit Luthers verblieb: Lt. Gegenanschlag der Herrschaft Schönau 1630 brachte sich die (evangel.) Herrschaft Schönau zu dieser Zeit in den Besitz des vormals Melkischen Patronats über die Kirchen Günselsdorf, Schönau und Sollenau, was auch nach der Gegenreformation beibehalten wurde.
Mit Urkunde vom 16.09.1430 war Schönau bloß eine Kaplanei. Die nach den Türkeneinfällen 1529 bzw. 1532 kroatisch besiedelten Dörfer Günselsdorf, Schönau und Teesdorf standen aber später unter offensichtlich eigener Seelsorge. Bei der Visitation des Jahres 1544 wurde in Schönau der kroatische Pfarrer Georg Vitschlowitsch vorgefunden, welcher seit 13.11.1539 eingesetzt war. Festgehalten wurde dabei, dass in Schönau, Günselsdorf und Teesdorf zu dieser Zeit „bei“ 42 kroatische Häuser waren, diese mehrheitlich kroatisch besiedelt waren und auch Trumau rein kroatisch besiedelt war. Am 28.08.1573 erging die Beschwerde, dass dieser Pfarrer „ungeachtet er 60 Jahre alt, vor 40 Jahren mit ihren Voreltern hieher gekommen“ vom Schönauer Herrschaftsinhaber abgesetzt werden sollte. Der kroatische Pfarrer Georg in Schönau verstarb 1579, wonach es noch eine Bürgerinitative zur Einsetzung eines Pfarrers gab („damit das arm kirchl … wiederum erhebt“), welcher aber nicht entsprochen wurde und Schönau stattdessen einen kroatischen, evangelischen Prädikanten erhielt. Im Zuge der Gegenreformation wurde die Pfarre Schönau nicht wiederhergestellt, sondern der Pfarre Sollenau angeschlossen.
Zum Pfarrsprengel der Pfarre Sollenau gehörten somit bis zur Josephinischen Reform auch Günselsdorf (mit dem Blumauer Hof), Schönau und das Melkische Herrschaftsdorf Teesdorf. Gemäß Urbar und Bereitungsbuch der Herrschaft Enzesfeld 1569/71 war auch Matzendorf zu dieser Zeit in Sollenau eingepfarrt, ansonsten aber zu Leobersdorf.
Josephinische Reformen, Zusammenlegungen der Gegenwart
Im Zuge der Josephinischen Reformen wurde das Pfarrnetz durch Gründung weiterer Pfarren erweitert. Mit Schreiben vom 30. bzw. 31.05.1783 wurden Günselsdorf und Teesdorf aus dem Pfarrsprengel Sollenau exkludiert und der Pfarre St. Georg zu Günselsdorf unterstellt. Ab 1783 wurde Matzendorf als selbständige Pfarre eingerichtet und erhielt zudem ab 19.11.1786 eine Erweiterung des Pfarrsprengels um Hölles (vorm. Leobersdorf). Die beiden alten Kirchen Günselsdorf und Matzendorf wurden abgerissen und ersetzt. Auch Steinabrückl (nördlich der Piesting der Pfarre Leobersdorf unterstellt) wurde 1784 selbständig, ebenso in diesem Jahre die Filialkirche der Pfarre Grillenberg St. Georg zu Wöllersdorf, welche ursprünglich nördlich der Piesting zuständig war. Am 01.01.1939 gingen die Standesämter von den Pfarren auf die Gemeinden über. Die Pfarre Sollenau bewacht seitdem den Schatz der Kirchenbücher ab 1708. Die Kirchenbücher 1690-1707, welche 1758 noch vorhanden waren, gerieten bei der Pfarre in Verschollenheit. In der jüngsten Geschichte kam es infolge rückgängiger Anhänger- und Besucherzahlen wieder zu einer Reduzierung des Pfarrnetzes. Dabei wurden aber nicht althergebrachte Pfarrnetz-Grundsätze in Umkehr befolgt: So kam es 2017 zur Verschmelzung der Pfarre Felixdorf (*1927) und Theresienfeld (*1768), welche ursprünglich auf dem Gebiet der Stadt Wiener Neustadt begründet und im Diözesangebiet des Erzbistums Salzburg lagen, auf die Pfarre Sollenau, mit Umbenennung in Pfarre „Zum Guten Hirten im Steinfeld“.

